seprator

Rezensionen

seprator

 

 

Sehen Sie sich aktuelle Rezensionen an:

 

 

 

 

Lachen ohne Scham

Viel Freude im Pünktchen und Anton am klugen und komischen Gerd Normann und seinen Dialogen für eine Person um Willi und Lisbeth

VON FRED G. SCHÜTZ

Lachen, ohne sich dafür schämen zu müssen und sich hernach mit hochgestelltem Mantelkragen aus der Lokalität zu stehlen – geht das noch? Ja, zum Beispiel dann, wenn man einen schauspielerisch begabten Kabarettisten wie Gerd Normann mit seinem Programm „Willi und Lisbeth zerreden ihr Frühstücksei!“ am Freitag im Pirmasenser Café Pünktchen und Anton zugehört und zugeschaut hat. Man ist ja wirklich dankbar dafür, wenn’s mal wieder einen auf die Bühne treibt, der sich nicht als Comedian, sondern als Kabarettist versteht und den Unterschied nicht nur kennt, sondern auch in Szene zu setzen vermag. Gerd Normann, gebürtiger Sauerländer mit Heimstatt in Berlin, ist ein leider rar gewordenes Exemplar der Gattung Kabarettist. Ein Comedian – um sich die Unterschiede zu vergegenwärtigen – ist der personifizierte gespielte Witz, Kabarettisten sind schauspielernde Literaten mit Sinn für Pointen. Geht einem da was durcheinander, dann ist das so, als geriete ein Helene-Fischer-Fan in ein Tom-Waits-Konzert. Viel Freude im Pünktchen und Anton am klugen und komischen Gerd Normann und seinen Dialogen für eine Person um Willi und Lisbeth Gerd Normann hat seine „Sauerland-Dialoge“ selbst treffend so beschrieben: „Eine Sammlung skurriler Alltagsgespräche eines fiktiven, älteren sauerländischen Ehepaares. Die beiden heißen Willi und Lisbeth und sind seit über 40 Jahren mehr oder weniger glücklich verheiratet. Sie nörgeln aneinander herum, halten zusammen wie Pech und Schwefel und versuchen, die immer schneller werdende Weltin ihrem Sinne umzudeuten.“ In Tat und Wahrheit bringt Normann aber viel mehr, viel Besseres: poetische Kabinettstückchen, als Duett für eine Person inszeniert, von hinreißender Komik und tückischem Hintersinn befeuert. Die sauerländische Authentizität wird von „originalen“ Sauerländern im Publikum bestätigt, die komödiantische Zielgenauigkeit ist nicht zu überhören, wenn im Publikum gelacht wird, dass man fürchtet, da wachse gleich jemand an. Normann braucht einen Moment, um seine Zuhörer auf die Frequenz von Radio „Willi und Lisbeth“ abzustimmen, aber dann gibt’s kein Halten mehr. Wie macht er das? Der Trick ist nur vorderhand einfach, ein Thema – „Frühstücksei“ zum Beispiel – aufzunehmen, im Dialog durch immer groteskere Schleifen zu fädeln und den Faden der Story nicht aus der Hand zu geben, bis die alte Socke ganz und gar aufgezogen ist. Da ist Normann wirklich – wie ihm schon mal zugeschrieben wurde – auf halbem Wege zwischen der Familie Tetzlaff und Loriot, kein platter Epigone, aber in bester Gesellschaft. Das heißt: Normann verbindet penibel ausgearbeitete Text mit einer stupenden Schauspielkunst. Man schaue nur zu, wie Normanns Gesicht geradezu in das seiner Protagonistin Lisbeth hinein morpht, dann schlagartig zu Willi wird, um sich wieder in Normann als Kommentator zu verwandeln. Das ist schlicht hinreißend.

Social Media

shape
Copyright © Künstleragentur Booking & More 2018. Alle Rechte vorbehalten info@bookingandmore.de